4.3 Integrität
LEP - LebensErfüllende Plattformen
Historisch gesehen, beginnt unsere Zeitrechnung eher mit der Geburt Senecas als mit der Jesus von Nazareth, und die Geschichte fand eher nach dem Vorbild Neros, denn mit Jesus Christus Lebenswandel, bzw. dem nach Nero geschriebenen Neuen Testament seinen historischen Ausdruck im Zeitgeist. Neros Eigensinn musste den seiner machhungrigen und herrschsüchtigen Mutter Agrippina durch deren veranlasste Ermordung, und seinen Mentalraum über die Einbildung durch die Illusionen Senecas und dessen Philosophie, einer Fussnot Platons, in dem Seneca befohlenen Selbstmord überwinden, bevor er seinen Fokus in der "Götterkunst" finden konnte. Damit macht er sich wiederum zum Staatsfeind Roms, dem die Senatoren dann gleichfalls den Selbstmord befahlen.
Einfach gesagt, sagte Seneca Nero nach dem Brand Roms, er soll wie die Götter herrschen. Er könne dafür vieles tun, lügen, betrügen, und auch töten, aber sich nicht lächerlich machen, z.B. durch singen, eigensinnige Kunst also. Und genau daran verspielte Nero sein Weltreich und seine Begabung für Kunst finanzierte er zudem noch mit Tempelgold - ein Sakrileg. Und genau das tun die Schweizer Intellektuellen und "Kulturschaffenden" seit der expo.02 auch, offiziell, mit Steuergelder à la Muschg, Pippilotti, Heller, Marthaler, Hirschhorn & Co. Im Mittelalter hatte die Kirche mit der Inquisition, und jahrhundertelang mit Religionskriegen, im letzten Jahrhundert als deren Konsequenzen, Stalin auf Einbildung Marx hin, Hitler auf die Nietzsches, Wagner, Freud, Jung & Co., Mao, Ceauşescu, Saddam Hussein, Jong Kim Ill, etc. als deren Abklatsch, diese Denkkatastrophen zu den grössten Humankatastrophen des letzten Jahrhunderts dramatisiert. Damit hat sich die Welt im Kalten Krieg an ihren Abgrund bewegt.  
Daraus entwickelte der Mathematikers John Forbes Nash Jr. mit nachgewiesener Schizophrenie, das Nash-Gleichgewicht das den Zustand eines strategischen Gleichgewichts beschreibt, in dem in einem nicht-kooperativen Spiel, wie eben dem des Kalten Krieges, kein einzelner Spieler für sich einen Vorteil erzielen kann, indem er einseitig von der Strategie abweicht, die falls sie beide spielen, das Spiel aufrecht erhält. Dafür bekam er 1994 den Nobelpreis, und mit dessen Ideologie hat dann der US- Verteidigungsminister McNamarra unter Kennedy den Vietnamkrieg geführt, und verloren, Englands eiserne Lady Margaret Thatcher die englische Wirtschaft zum Preis sozialen Chaos und der Volksverdummung im Nashspiel des "Freien Marktes" auf Vordermann gebracht, und nun Putin versuchte es gegen Ende seiner Amtszeit mit der gelenkten Demokratie. Nun haben wir eine Welt, die zur Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft die Menschen weit effektiver als Nero, Stalin, Hitler und Konsorten, und Mao mit seiner permanenten Kulturrevolution dazu bringt, dass sie sich gegenseitig am vorherrschenden Zeitgeist abschalten und dessen permanent sich selbst zerstörendes Spiel zu dessen Aufrechterhaltung spielen. Diese "Freiheit" das vom Zeitgeist vorgeschriebene System spielen zu müssen, will man noch einen Erwerbhaben, ist echt schizophren, wie die nicht lebenserfüllende Wissenschaft, die dazu geführt hat. Nashs tragische Geschichte ist Ende 2001 einem breiteren Publikum durch den Hollywood-Film "A Beautiful Mind" bekannt geworden, der mit vier Oscars ausgezeichnet wurde. Und dann wundert man sich, wenn
  • Schüler sich zu Tode saufen, Drogen nehmen, Massaker veranstalten und ihre Infrastruktur anzünden,
  • Manager, sich und ihre Mitarbeit ins Burnout und ihre Unternehmen ins Grounding führen,
  • Politiker uns am Rande des Krieges und der Umweltzerstörung halten, und fast niemand mehr sein Leben zu erfüllen vermag und fast alle abschalten
  • 1/8 der Menschheit hungert, alle vier Sekunden sinnlos ein Kind verhungert, pro Jahr mehr als in den Nazi KZ insgesamt Menschen umgebracht wurden und
  • in der verbliebenen Supermacht USA, welche solche Denkkatastrophen globalisiert, über 50% der Bewohner, von denen die erwiesenermassen "Normale" nicht von Psychopathen unterscheiden können, auf Grund von vom Computer ausgewerteten Fragebogen als nachweisbar mental gestört bezeichnet werden,
  • und immer mehr Menschen verarmen und kriminell bzw. terroristisch werden...
Schon Seneca hat nachgewiesen, dass die meisten Menschen grosse Teile ihrer Lebenszeit verlieren, indem sie das Leben falsch zubringen. Diesbezüglich entwickelte er ein breites Spektrum:
Den einen hält unersättliche Habsucht gefangen, den anderen in überflüssigen Anstrengungen mühevolle Betriebsamkeit, der eine ist vom Weine trunken, der andere verkümmert in Stumpfsinn; viele hält das Streben nach fremder Schönheit oder die Sorge um die eigene fest; sehr viele, da sie nichts bestimmtes verfolgen, jagt die unstete und unbeständige und mit sich selbst zerfallene Haltlosigkeit durch immer neue Pläne; manche können zu keinem Beschluss kommen, wohin sie ihre Bahn richten sollen, sondern in Schlaffheit und Müdigkeit überrascht sie ihr Schicksal...
Niemand findet sich, der sein Geld verteilen will, sein Leben – an wie viele verteilt es jeder einzelne! Daran gefesselt sind sie, ihr Vermögen zusammenzuhalten, sobald man zum Zeitverlust kommt, sind sie höchst verschwenderisch mit dem, bei dem allein ehrenhaft Geiz ist.“
Im Jahre 58 griff vormaligen Konsul Publius Suillius Rufus die persönliche Integrität Sencas an und stellte den durch grosszügigste Zuwendungen Neros steinreich gewordenen Seneca zunächst in Schmähreden, dann aber auch in dem von Seneca gegen ihn angestrengten Prozess vor dem Senat als Jugend- und Frauenverführer sowie müssiggängerischen Geldsack dar, der "seiner Raffgier auch noch ein philosophisches Mäntelchen der Bedürfnislosigkeit umhänge." Der Suillius-Prozess scheint durchzuschlagen in Senecas Appell: „Hör also auf, den Philosophen das Geld zu verbieten: niemand hat die Weisheit zur Armut verurteilt. Besitzen wird der Philosoph reiche Schätze, aber niemandem entrissen noch von fremdem Blut triefend, ohne Unrecht an irgend jemandem geschaffen, ohne schmutzige Herkunft."
Soviel zur verbliebenen Freiheit: "Für das Leben muss jeder auch Rücksicht nehmen auf die Billigung anderer, den Tod bestimme er ganz nach eigener Wahl; je mehr nach unserer Neigung desto besser." Und: "Dass wir leben, ist unzweifelhaft ein Geschenk der Götter, dass wir ehrbar leben, ein Geschenk der Philosophie. Dass wir also der letzteren zu höherem Dank verpflichtet sind als den Göttern, und zwar in eben dem Masse, als ein ehrbares Leben höher steht als das Leben schlechtweg, würde für sicher gelten, wenn nicht die Philosophie selbst uns von den Göttern verliehen wäre. Ihre einzige Aufgabe ist, die Wahrheit zu finden in Bezug auf göttliche und menschliche Dinge. Von ihrer Seite weicht nicht die Gewissenhaftigkeit, die Frömmigkeit, die Gerechtigkeit und die ganze weitere Gefolgsschar der im engsten Zusammenhang miteinander stehenden Tugenden. Sie lehrt Ehrfurcht vor dem Göttlichen, Liebe zu dem Menschlichen. Den Göttern soll die Herrschaft gehören, unter den Menschen Brüderlichkeit herrschen."
Seneca befasste sich - wie die späte Stoa überhaupt - vornehmlich mit Fragen der rechten Lebensführung, insbesondere mit der Ethik. Die Menschen sollen vor allem ein Leben nach den Gesetzten der Natur führen und dabei auf typisch stoische Weise unterscheiden zwischen dem, was unabwendbar ist, und den Dingen, auf die der Mensch Einfluss nehmen kann. Weiterhin forderte Seneca dazu auf, sich tätig am politischen Leben zu beteiligen und soziale Aufgaben zu übernehmen. Ziel sei es, den Mitbürgern zu dienen und sich damit selbst zu befreien. Nash meint in der Folge bewiesen zu haben, dass gerade das keine Stabilität garantiert sondern nur Eigensinn imZeitgeist an dessen Illusion zu SEINEM Spiel fokussiert. Der Philosoph Seneca sah sich dafür als Weltbürger: "Daher sind wir Stoiker nicht auf die Mauern einer einzigen Stadt beschränkt, sondern stehen im Austausch mit dem gesamten Erdkreis und erkennen in der ganzen Welt unser Vaterland." und unter Vorwegnahme Kants: "Behandele deinen Untergebenen so, wie du von deinem Vorgesetzten behandelt werden möchtest. Sei mild zu deinem Sklaven, geh auch freundschaftlich mit ihm um, ... hole seinen Rat ein, bitte ihn an deinen Tisch ... Sie (Sklaven) sind nicht unsere Feinde, wir machen sie erst dazu."
Sich auf Epikur beziehend, forderte Seneca die Menschen auf, sich zu bessern, indem sie ihre eigenen Vergehen aufdecken, gleichzeitig die Rolle des Anklägers und des Verteidigers (im Sinne eines inneren Dialogs) wahrnehmen, und mit sich selbst zu Gericht gehen. Nur die Philosophie biete dafür das Instrumentarium. Sie sei keine Nebensache, auf sie müssen alle Sinne gerichtet werden. "Beseitige alle Hindernisse und nimm dir für deine Vervollkommnung Zeit." Und zyklisch wie die Alten Ägypter: "Nach mir wird das, was vor mir war." Im Leben habe der Mensch allerdings Schuld auf sich geladen, so dass er im Gegensatz zur Lehre des Epikur die Welt in der Regel schlechter verlässt als er sie betreten hat. Nur der Weise sterbe so sorglos, wie er geboren wird.
Senecas Auffassung beeinflusste die geisterwissenschaftliche Entwicklung der Ethik und seine Schauspiele hatten massgeblichen Einfluss auf die tragischen Dramen der Renaissance und diese via England, Empire, und nun aus den USA via Hollywood über die ganzen Welt...