Besinnung
- Jeder Mensch versucht seinem Sinn einen
lebenserfüllenden Ausdruck zu geben.
Die Jugend sei
frech, faul, respektlos, heisst es. Nun besinnt sich ein
Pädagoge auf alte Werte. Bernhard Bueb fordert
über trügerische Glücksversprechen von
Reichtum und attraktiven Körpern, Zucht und Ordnung, Strenge, Härte
und Disziplin» fordert. Die Fürsorge gebiete dies
manchmal ohne Debatte. Nach all dem Debattieren,
Psychologisieren, Reformieren der letzten Jahrzehnte sehnten
sich die Menschen nach Klarheit. Bloss nicht auf Einsicht
vertrauen. Bloss keine Diskussionen. Zwischen Vergehen
und Vergeltung darf kein Wort Platz haben. Oder, wie
Bueb jetzt mit Nachdruck sagt: «Strafandrohungen wirken nur,
wenn Gewissheit herrscht, dass Regelübertretungen
entdeckt werden.»
Doch wenn es um
Erziehung geht, helfen fixe Ideen nicht weiter. Manchmal ist
Konsequenz gefragt, dann wieder Nachsicht, manchmal
beides, sicher Liebe, manchmal Einmischung, dann
wieder Vertrauen, Einfühlungsvermögen,
manchmal Diskussionen, manchmal Befehle, manchmal
Belohnungen. Oft sind Lob und Geduld sehr
nützlich. Das also und noch viel mehr braucht es, wo das
verpönte zwischenmenschliche Verständnis der relevanten
Lebenserfüllungsprinzipien fehlt. Man will und das seit der
römischen kulturellen
Kollektivierung des
Bewusstsein - jeder Kaiser musste sich ZG>*3
(Kampf um die Macht)>?0>+2/-4 (Brot und Zirkus) >%1,5,6 (Reichssicherung).
Damit gehört es zum guten
Ton, über sich zu klagen, wenn man über
sich spricht, wenn an diesem
Masstab schon die römischen Kaiser am Schluss
immer eine erbärmliche
Figur machten...
Nicht
«Zuckerbrot oder Peitsche?» sei die grosse Frage
der Psychopolitik, pardon, Pädagogik, sondern «Was wann? Und in welcher
Form?». Und die
meisten pädagogischen Theorien stossen da mit
«Urteilskraft»
oder «gesunder
Menschenverstand» kommen da an den Anschlag.
Für ihn sei das
Glas immer halb voll (?0),so
Bueb. Den Grund für seinen Optimismus sieht er in seiner Fantasielosigkeit. Fantasielose
Menschen seien immer etwas glücklicher; es falle ihnen einfach
nicht so viel ein, weil es ihnen an Ideen fehle. Ordnung sei
für ihn deshalb das Fundament menschlichen Lebens und daher
auch jedes gedeihlichen Aufwachsens. Und solcherart aus eigenen
Nöte gemachte Tugenden, Selbstrezepte,
fliessen dann in die Pädagogik
ein, die auf Höflichkeit, Pünktlichkeit, und damit
politische Korrektheit hinausläuft.
Das wiederum provoziert renommierte, mit
Professorenwürde ausgestattete Pädagogen, Psychologen und
Psychiater zur Herausgabe einer Gegenschrift, gegen Bueb
mit «Vom Missbrauch der
Disziplin» und im Untertitel «Antworten
der Wissenschaftauf Bernhard Bueb». Mit wissenschaftlicher Akribie werden dort
seine Provokationen zerlegt, und zwar so gründlich, dass die
Reaktion auf das Ärgernis um einiges umfangreicher ausgefallen
ist als dieses selbst. Buebs Erziehungsideale glichen
den Erziehungsidealen, die sich in den Fünfzigerjahren
(in deren
Kreisen) nahtlos an die
der Nazi-Ideologie angeschlossen hätten. Das «Lob der
Disziplin» gehöre in eine lange
kulturkämpferische Tradition, die männlich
militärische Werte bewahren wolle und sich gegen
eine Humanisierung der
Erziehung richte. Bueb,
dem grossen Verehrer angelsächsischer Internate, wird
Unkenntnis dieser Institutionen nachgewiesen. Und nicht zuletzt
zeigen die Wissenschaftler, dass Bueb ein grundverkehrtes Feindbild
pflegt. Das angebliche Laisser-faire-Ideal der
68er-Generation
präge bis heute das
erziehungsfeindliche Klima in Deutschland, so das «Lob der
Disziplin». Die 68er waren vieles, tönt es im «Missbrauch der
Disziplin» zurück, nur nicht Laisser-faire, im Gegenteil: Bei den führenden Köpfen -
man denke an einen Rudi Dutschke - paarte sich
gesellschaftspolitische Rigidität mit perfekter
Humorlosigkeit; in ihrem Habitus waren die deutschen 68er ihrer
kompromittierten Vätergeneration erstaunlich
ähnlich.
Heute wissen alle,
dass man sich bemühen und dennoch keine
Lehrstelle finden kann und Disziplin kein Garant fürs Wohlergehen ist, geschweige
denn für Erfolg. Bis
fünfzehn hielt man Bueb für fleissig, aber dumm, und so
sah er sich auch selber. «Bis ich
auf diese Lehrerin traf, die an mich glaubte und mich
mochte.» Da habe sein langsamer schulischer
Aufstieg begonnen, erzählt Bernhard Bueb. «Man muss
an sich glauben. Aber
auch andere müssen an einen
glauben», sagt Bueb - im Widerspruch zu
seinem Selbstrezept, beides im Widersprich zur
Zeitgeistlehrmeinung. So läuft die Geisterwirtschaft sich selbst aus dem
Ruder, und über die Beliebigkeit ihrer
Lebenswirklichkeitsneider/-hasser ins Chaos..