Welche Rolle teilt
die organisierte Wissenschaft dem Menschen zu? - Keine besser als
im Mittelalter, nur etwas konkreter und mit mehr Ablenkungs-,
Sublimations- und
Kompensationsmöglichkeiten:
Fast 10 000 Forscher und
Wissenschaftsinteressierte trafen sich 2007 in San Francisco am
weltweit grössten interdisziplinären
Wissenschaftskongress. Nach den alarmierenden Aussagen des
neuen Uno- Klimaberichts hofften viele auf ein
überzeugendes Engagement der Wissenschaftler im Klimaschutz
und auf neue, überraschende Ideen zur Lösung des
Energieproblems. So weitermachen wie
bisher, sei das Rezept für die
Katastrophe, sagte John Holdren, Präsident der
amerikanischen Vereinigung für Wissenschaftsförderung
(AAAS). Immer wieder hörte man die Meinung, die
Wissenschaft müsse die Fakten zur Klimaerwärmung
liefern, für den Klimaschutz sei Politik und
Gesellschaft zuständig. Also ausgerechnet bloss die
Konzepte, an denen sich die Menschheit zu sich selbst
zerstörenden Systemen verschliesst!
Enttäuschend ist auch die Zaghaftigkeit, mit der es in
der Energieforschung vorwärts geht, während der
Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre weiter rasant ansteigt.
Die Wissenschaftler hatten in San Francisco
durchaus Spektakuläres zu bieten, zum Beispiel einen
Augenchip und
Neuroprothese. «Wissenschaft und Technologie für
ein nachhaltiges Wohlergehen», lautete der
Titel des Kongresses in San Francisco. So wenig überzeugend
der wissenschaftliche Beitrag zum Wohlergehen des Planeten
war, umso faszinierender präsentierten sich die medizinischen
Fortschritte für den Einzelnen.
Trotzdem werde die
Welt untergehen. So das Fazit der AAAS-Tagung. Denn
selbst wenn es uns einst gelänge, das Aufheizen des Globus zu
stoppen, drohe Gefahr. Sie kommt aus dem All und könnte
bewirken, dass uns das gleiche Schicksal ereilt wie die
Dinosaurier. Diese starben vor 65 Millionen Jahren aus, nachdem ein
Himmelskörper auf die Erde geprallt war. Jetzt wissen wir,
dass es über hundert Objekte gibt, die bei einem Absturz auf
die Erde Millionen Todesopfer fordern würden. Bereits
haben die Forscher gewarnt, dass ein bestimmtes Objekt in dreissig Jahren die Erde
treffen könnte.
Doch was nützt uns diese Information? Sie
macht vor allem Angst. Das Schicksal der Menschheit sei
längst besiegelt, das Universum zeige kein Erbarmen, erfuhr
man von führenden Kosmologen. Mit viel Engagement
und Witz führten die Forscher das bunt gemischte Publikum
durch die kosmischen Dimensionen. Und mit Herzblut stritten sie
über offene Fragen. Beste
Wissenschaft, die das Wohlergehen von Jung und Alt im
überfüllten Saal bis zur letzten Minute
garantierte. Nur schade, dass sie nichts zur
Lösung der aktuellen Probleme der
Menschheit beiträgt.
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie stark die
Zahl der sich solcherart wichtig machenden Leute zugenommen hat?
Insbesondere derer, die gerne und viel von und über sich
selber reden wie sie die Welt schönreden? Und wenn sie einmal
eine Selbstbeweihräucherungspause einlegen, nahtlos dazu
übergehen, der Welt mitzuteilen, mit welchen anderen wichtigen
Leuten sie sich über die wichtigsten Probleme der Menschheit
dafür ausgetauscht haben, damit auch wichtig zu sein. Noch nie
hatten wir so viele Gelehrte, und noch nie so viele Probleme scheinbar
unlösbar gemacht...
Die Rolle, welche
also die organisierte Wissenschaft dem Menschen zusteht, ist die
eines Irrläufers in einem kalten Universum - den man
mit Brot und Zirkus bei Laune halten muss...