2.2.2.2 Rolle
Welche Rolle teilt die organisierte Wissenschaft dem Menschen zu? - Keine besser als im Mittelalter, nur etwas konkreter und mit mehr Ablenkungs-, Sublimations- und Kompensationsmöglichkeiten:
Fast 10 000 Forscher und Wissenschaftsinteressierte trafen sich 2007 in San Francisco am weltweit grössten interdisziplinären Wissenschaftskongress. Nach den alarmierenden Aussagen des neuen Uno- Klimaberichts hofften viele auf ein überzeugendes Engagement der Wissenschaftler im Klimaschutz und auf neue, überraschende Ideen zur Lösung des Energieproblems. So weitermachen wie bisher, sei das Rezept für die Katastrophe, sagte John Holdren, Präsident der amerikanischen Vereinigung für Wissenschaftsförderung (AAAS). Immer wieder hörte man die Meinung, die Wissenschaft müsse die Fakten zur Klimaerwärmung liefern, für den Klimaschutz sei Politik und Gesellschaft zuständig. Also ausgerechnet bloss die Konzepte, an denen sich die Menschheit zu sich selbst zerstörenden Systemen verschliesst! 
Enttäuschend ist auch die Zaghaftigkeit, mit der es in der Energieforschung vorwärts geht, während der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre weiter rasant ansteigt.
Die Wissenschaftler hatten in San Francisco durchaus Spektakuläres zu bieten, zum Beispiel einen Augenchip und Neuroprothese. «Wissenschaft und Technologie für ein nachhaltiges Wohlergehen», lautete der Titel des Kongresses in San Francisco. So wenig überzeugend der wissenschaftliche Beitrag zum Wohlergehen des Planeten war, umso faszinierender präsentierten sich die medizinischen Fortschritte für den Einzelnen.
Trotzdem werde die Welt untergehen. So das Fazit der AAAS-Tagung. Denn selbst wenn es uns einst gelänge, das Aufheizen des Globus zu stoppen, drohe Gefahr. Sie kommt aus dem All und könnte bewirken, dass uns das gleiche Schicksal ereilt wie die Dinosaurier. Diese starben vor 65 Millionen Jahren aus, nachdem ein Himmelskörper auf die Erde geprallt war. Jetzt wissen wir, dass es über hundert Objekte gibt, die bei einem Absturz auf die Erde Millionen Todesopfer fordern würden. Bereits haben die Forscher gewarnt, dass ein bestimmtes Objekt in dreissig Jahren die Erde treffen könnte.
Doch was nützt uns diese Information? Sie macht vor allem Angst. Das Schicksal der Menschheit sei längst besiegelt, das Universum zeige kein Erbarmen, erfuhr man von führenden Kosmologen. Mit viel Engagement und Witz führten die Forscher das bunt gemischte Publikum durch die kosmischen Dimensionen. Und mit Herzblut stritten sie über offene Fragen. Beste Wissenschaft, die das Wohlergehen von Jung und Alt im überfüllten Saal bis zur letzten Minute garantierte. Nur schade, dass sie nichts zur Lösung der aktuellen Probleme der Menschheit beiträgt.
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie stark die Zahl der sich solcherart wichtig machenden Leute zugenommen hat? Insbesondere derer, die gerne und viel von und über sich selber reden wie sie die Welt schönreden? Und wenn sie einmal eine Selbstbeweihräucherungspause einlegen, nahtlos dazu übergehen, der Welt mitzuteilen, mit welchen anderen wichtigen Leuten sie sich über die wichtigsten Probleme der Menschheit dafür ausgetauscht haben, damit auch wichtig zu sein. Noch nie hatten wir so viele Gelehrte, und noch nie so viele Probleme scheinbar unlösbar gemacht...
Die Rolle, welche also die organisierte Wissenschaft dem Menschen zusteht, ist die eines Irrläufers in einem kalten Universum - den man mit Brot und Zirkus bei Laune halten muss...